Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement benötigt mehrere Handlungsfelder. Dadurch ist es wichtig eine Ordnung zu schaffen. Damit ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) implementiert werden kann, muss eine entsprechende Struktur geschaffen werden. Dabei ist festzulegen, wer Aufbau und Ablauf steuert, wer Entscheidungen trifft und welche Elemente (Handlungsfelder) kombiniert werden müssen.

Der erste Schritt ist die Einrichtung eines Steuerkreises Gesundheit/ Lenkungsgremium Gesundheit.

Steuerkreis als Steuereinheit

Die Mitglieder des Steuerkreises planen und organisieren die Implementierung und Weiterentwicklung des BGM. Zusammen mit der Unternehmensleitung geben sie die Richtung vor und legen eine Strategie fest, mit der die Gesundheit der Beschäftigten geschützt und gestärkt wird. Im Regelfall ist der Steuerkreis nicht für die operativen Tätigkeiten zuständig.

Umsetzung des Betrieblichen Gesundheitsmanagement – Lenkungsgremium als ausführende Einheit

Als Lenkungsgremium treffen die Mitglieder, auf der Grundlage gesammelter Informationen, Entscheidungen über die Umsetzung geeigneter Maßnahmen. Sie überwachen den Verlauf der durchgeführten Maßnahmen und überprüfen deren Wirksamkeit.

Da die Wirksamkeit eines BGM von einem komplexen Gefüge mehrerer Einflussfaktoren abhängt, müssen Kenntnisse aus verschiedenen Bereichen gesammelt und kombiniert werden.

Aus diesem Grund wird für die Zusammensetzung des Gremiums folgender Personenkreis vorgeschlagen:

  • Vertreter der Unternehmensleitung
  • Mitarbeiter aus der Personalentwicklung
  • Fachkraft für Arbeitssicherheit
  • Betriebsarzt
  • Betriebsrat / Personalrat
  • Gleichstellungsbeauftragte
  • Schwerbehindertenvertreter
  • Weitere Personen je nach Bedarf, bspw.:
    • QM-Beauftragter
    • Verschiedene Führungskräfte und Mitarbeiter verschiedener Fachbereiche
    • Vertreter der Unfallversicherungsträger /Krankenkassen
    • Sozial- / Suchtberater

Das Gesundheitsmanagement zeigt acht Handlungsfelder

Im nächsten Schritt werden die Inhalte für die Umsetzung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements festgelegt und in Kategorien (Handlungsfelder) zusammengefasst. Dazu werden im Allgemeinen 8 Handlungsfelder vorgeschlagen:

Fehlzeitenmanagement – die Fehlzeiten steuern

Fehlzeitenmanagement heißt: die Ursachen für einen hohen Krankenstand finden und die krankheitsbedingten Fehlzeiten positiv beeinflussen.

Die Fehlzeitenanalyse ist ein grundlegendes Mittel um aufzuzeigen, wie viel Ressourcen durch Ausfallzeiten nicht genutzt werden können. Die Daten werden anonymisiert nach verschiedenen Kriterien (z.B.: Geschlecht, Alter und Abteilung) sortiert, untersucht und können betriebswirtschaftlich bewertet werden. Je höher die Fehlzeitenquote ist, desto teurer sind die Auswirkungen auf das Unternehmen.

Da die Fehlzeiten allein nicht ausreichen um eine klare Aussage zum Gesundheitszustand des Unternehmens zu treffen, müssen weitere Faktoren wie Präsentismus und Absentismus bewertet werden.

Personalmanagement im BGM als Zukunftsaufgabe

Personalmanagement im Zusammenhang mit dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement ist sehr wichtig, denn der demographische Wandel verursacht in den nächsten 20-30 Jahren eine Alterung der Erwerbstätigen und einen Fachkräftemangel. Dadurch sind Unternehmen verstärkt daran interessiert, Gesundheit und Arbeitskraft ihres Personals lange zu erhalten und die Beschäftigten damit an sich zu binden. Das wird erreicht, in dem sowohl die psychische, als auch die physische Gesundheit der Arbeitnehmer geschützt bleibt. Erst dann identifizieren sich die Beschäftigten mit dem Unternehmen und fühlen sich an Ihrem Arbeitsplatz wohl.

Betriebliches Gesundheitsmanagement – die Mitarbeiterbeteiligung ist nur eines der Handlungsfelder

Die Mitarbeiterbefragung ist die Grundlage der Mitarbeiterbeteiligung. Dadurch können Schwachpunkte in der Arbeitsplatzgestaltung und der Arbeitsorganisation aufgedeckt werden, welche bei der Arbeitsplatzbegehung nicht unmittelbar ersichtlich sind. Das liegt daran, dass dieses Werkzeug nur eine Momentabbildung ermöglicht. Die sachlich richtige Interpretation der Ergebnisse seitens der Unternehmensleitung führt zu einem effektiven Maßnahmenbündel und damit zu Korrekturmaßnahmen. In deren Folge resultieren Verbesserungen in den Arbeitsbedingungen.

Bei der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) müssen Beschäftigte ran

Betriebliche Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen (HVBG 2002).“

Die Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) setzen an der Verhaltensprävention an. Die einzelnen Mitarbeiter sollen aktiviert werden, sich Informationen über gesunde Lebens- oder Arbeitsweisen einzuholen und entsprechende Präventionskurse zu besuchen. Diese können vom Arbeitgeber aber auch in Form von Präventionsreisen bezuschusst werde. Das Resultat:

„Führung eines gesunden Lebensstils“

beschränkt sich nicht nur auf den beruflichen Alltag, sondern wird auch Auswirkungen im privaten Bereich zeigen.

Notfall- und Krisenmanagement sind weitere Handlungsfelder

Konflikte mit Kunden, Kollegen oder Vorgesetzten wirken sich in vielen Bereichen aus. Sie sind oft mit Ängsten und Ärger verbunden. Das führt oft dazu, dass Konzentration und Leistungsfähigkeit der Menschen beeinträchtigt werden. Die Fehlerhäufigkeit nimmt zu und die Fehlzeiten steigen an. Mit einem Notfall- und Krisenmanagement möchte man diesem Problem begegnen.

Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) als Bestandteil vom BGM

Eines der nächsten Handlungsfelder ist das BEM. Wie bereits erwähnt, macht der englische Begriff „Human Ressource“ deutlich, dass die Beschäftigten eine wichtige Ressource eines Unternehmens sind. Durch hohe Krankenstände und rezidivierende Krankheiten verpuffen wertvolle Ressourcen.

Nach § 84 SGB IX sind die Arbeitgeber verpflichtet, all jenen Mitarbeitern ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten, welche zusammenhängend länger als 6 Wochen oder wiederholt arbeitsunfähig waren.

Suchtprävention im Arbeits- und Gesundheitsschutz

Um über Suchtprävention am Arbeitsplatz zu sprechen, stellt sich zuerst die Frage, um was es eigentlich geht. Was ist Sucht?
Der Begriff umfasst verschiedene Facetten der Sucht, z.B. Alkoholsucht, Drogensucht und die Abhängigkeit von Medikamenten. Dabei handelt es sich jeweils um Stoffabhängigkeiten. Aber es gibt auch seelische Abhängigkeiten. Zu nennen sind dabei die Spielsucht und die Essstörungen (Ess- und Brechsucht, Fresssucht). Es wird auch von süchtigem Verhalten bzgl. Handy und Internet gesprochen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement nur im Zusammenspiel mit der Arbeitssicherheit

Es ist eine gesetzliche Forderung, den Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu gewährleisten. Daneben ist für die Unternehmensleitung wichtig, dass sich Investitionen in den Arbeitsschutz rechnerisch lohnen. Die Betriebsabläufe und Geschäftsprozesse werden ebenso verbessert, wie die Motivation der Beschäftigten und die damit verbundenen verringerten Ausfallzeiten.

Es gilt deshalb, die Vermeidung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren als vorrangiges Unternehmensziel zu erklären und systematisch in die Führungsstrukturen und Organisation eines Unternehmens einzubinden.

Aus diesem Grund sind bspw. die Bereitstellung ergonomischer Arbeits- und Hilfsmittel, sowie die Anpassung der Arbeitsplatzumgebung an den Menschen eine wichtige Aufgabe der Unternehmensführung.

Da sich in den letzten Jahren die Arbeitswelt ständig und schnell verändert hat, spielen die psychischen Belastungen eine immer größere Rolle. Umso wichtiger ist es, diese psychischen Belastungen in die Bewertung der Arbeitsplätze einzubeziehen und geeignete Abhilfemaßnahmen einzuleiten.

Betriebliches Gesundheitsmanagement – Aufbau und Handlungsfelder